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Wieviel Stress ist selbst gemacht? (Newsletter September 2018)

Von der Anstrengung es anderen recht machen zu müssen
und wie du Dich daraus befreien kannst

Gehörst du zu den Menschen, die anderen alles recht machen wollen und nur schwer Nein sagen können? Orientierst du dich zu sehr an den Bedürfnissen deiner Umgebung?

Es ist eine der tiefsten menschlichen Sehnsüchte,
uns vollkommen gesehen und geliebt zu fühlen.
Wir wollen uns zugehörig fühlen, angenommen und wertgeschätzt werden,
so wie wir sind.

Doch was passiert, wenn wir für das Gefühl der Zugehörigkeit unsere Bedürfnisse opfern und unsere Grenzen übertreten? Viele Menschen wissen nicht einmal, wo ihre eigenen Bedürfnisse und Grenzen sind.

Vielleicht ist es schon längst zur Gewohnheit geworden, für andere da zu sein und sich den Gegebenheiten unterzuordnen. Einige empfinden sich in diesen Momenten als besonders wertvoll. Andere Menschen fühlen sich nur in einer harmonischen Umgebung wohl und meiden Konflikte.

Doch zwanghafte Harmonie knechtet die freie Entscheidung. Die Entscheidung Ja zu sagen oder aber Nein. Die Entscheidung sich zu verbinden oder abzugrenzen, die Entscheidung sein Leben entsprechend seiner Bedürfnisse zu gestalten.

Ich habe lange Zeit meine Bedürfnisse ganz automatisch unter jene meiner Mitmenschen gestellt. Ich kannte meine Stimme nicht, ich war ein Echo. Und das war mir nicht einmal wirklich bewusst. Ich habe viel zugehört und wohlwollend genickt. Ich habe bestätigt und mich dabei leer gefühlt. Daher zog ich bis Mitte 20 auch Menschen an, die sehr viel von sich redeten. Ich hatte dann manchmal sogar das Gefühl verschluckt, zu werden und war nach Treffen ausgelaugt. Ich fühlte mich selbst nicht mehr.

Ich begann zu beobachten, was da los war. Ich fand heraus, dass ich in mir den Glauben hatte, nicht wichtig zu sein. So gibt es verschiedenste Motive, die dazu führen, es anderen recht machen zu müssen. Einige sind:

  • Man sitzt zwischen den Stühlen, weiß nicht wo man hingehört und kennt seine eigene     Position nicht.
  • · Manche Menschen fühlen ihren eigenen Schmerz nicht, wenn sie mit ihrer Aufmerksamkeit bei den Angelegenheiten anderer Leute sind und sich rührend um Menschen kümmern, denen es schlechter geht als Ihnen selbst.
  • Andere Menschen bekommen sofort ein schlechtes Gewissen und Schuldgefühle, wenn sie ihren eigenen Prioritäten folgen. Von ihnen höre ich oft den Satz: „Ich möchte den anderen nicht verletzen“.

Was hilft?

Ein stetiger leidenschaftlicher Weg zu einem Gespür für sich. Ein inneres Anerkennen des eigenen Wertes. Kennenlernen des persönlichen Raumes, deiner Eigenschwingung, deiner Grenzen. Vertrauen in die eigene Entscheidungskraft.

Wenn du weißt, wer du bist und was du brauchst, dann entwickelt sich ein immer klareres Gefühl von dir. Dann hast du einen Standpunkt. Hast du selbst keine Ahnung, wo du stehst, wirst du unbewusst durch die Umgebung gelenkt. Dann könnte auf deinem Grabstein stehen:
Mein Leben hat jedem gefallen, nur mir nicht.“ Zu deinem Selbstgefühl gehören Werte, auf die du dich beziehen kannst und (d)eine Intuition, auf die du vertrauen kannst. Denn ganz tief in dir gibt es einen Platz, wo du ganz genau spürst was du selbst möchtest.

Folgende vier Wege haben mir geholfen,
mich von dem Recht-machen-müssen-Zwang mehr und mehr zu befreien:

  • Meine Bedürfnisse innerlich ernst zu nehmen,
    selbst wenn sie mir nicht angemessen erscheinen
    Es ist da, also darf es auch da sein!
  • Zu lernen, schlechte Stimmungen auszuhalten. Hier hilft extrem unser Körperbewusstsein (dazu wird es demnächst einen Artikel geben). Bei harmoniebedürftigen Menschen, gibt es die Tendenz, vor schlechten Stimmungen fliehen zu wollen und alles ganz schrecklich zu finden. Das führt dazu, dass wir uns selbst gar nicht mehr spüren. Die Frage die hier weiterhilft ist: Was macht diese Stimmung mit mir? Und wie fühlt es sich während meines Erlebens in meinem Körper an? Wenn wir ein Gefühl als Körperempfindung spüren können, wird es für uns wesentlich erträglicher. Wir spüren uns immer noch in unserem Körper und verschwinden nicht in der schlechten Stimmung.
  • Ein schlechtes Gewissen tötet nicht! Wenn wir beginnen, die Erwartungen der Mitmenschen nicht mehr zu bedienen, wird das gefürchtete schlechte Gewissen vermutlich auftauchen. Doch es wird mit jedem Mal abnehmen. Und die eigene Kraft und das Vertrauen in dich wächst mit jedem Mal, wenn du es schaffst für dich selbst einzustehen. Das bringt Freude und Neugier. Ein schöner Nebeneffekt: Der Respekt an deiner Person wird auf magische Weise steigen. Leute stellen viel weniger Erwartungen an dich, die du nicht erfüllen kannst oder willst.
  • Auseinandersetzen mit den eigenen Aggressionen. Harmoniebedürftige Menschen haben in ihrer Vergangenheit Aggressionen als sehr bedrohlich erlebt. Darum bewerten sie diese als negativ und haben so auch den Zugang zu ihren gesunden Aggressionen verloren. Dadurch fühlen sie wenig Energie für klärende Auseinandersetzungen und trauen sich nicht,ihre Grenzen zu setzen.

Liebe deinen nächsten wie dich selbst, so heißt es in der Bibel.

Aber wie viel Liebe bekommt dein Nächster, wenn du dich selbst zu wenig liebst?
Mit der Liebe zu
dir, beginnt die Liebe in der Welt.

Muss ich denn wirklich Funktionieren? (Juli 2018)

Vom Gefühl Funktionieren zu müssen zu emotionaler Berührbarkeit

Wir alle kennen wahrscheinlich das Gefühl „immer“ funktionieren zu müssen.
Obwohl ich glücklicherweise in einen Umfeld lebe, wo es Raum für Gefühle und liebevoller Begegnung gibt, merke ich immer wieder, wie tief dieses Funktionieren müssen auch in mir verankert ist. Der ständige Druck voranzukommen, die zwanghafte Optimierung der Persönlichkeit, und das Leben mit der „to-Do-Liste“ , das kennen wir wohl alle.
Wir leben in einer Gesellschaft, die den Selbstwert an Leistungen misst.

Der Funktionieren Müssen Modus beherbergt eine ganz bestimmte Atmosphäre, nämlich eine Mischung aus Überforderung und „Nicht wirklich fühlen wollen“. Körperlich begleitet ist diese leicht getriebene Stimmung von flachem Atem und engem Denken. Der Nacken wird fest und der Kiefer hart. Äußerlich wirken wir tough, und können unsere Verletzlichkeit meisterhaft in lockere Sprüche, oder Humor umwandeln, doch innerlich fühlen wir uns irgendwie schwach. Und für viele ist dies ganz normal.

Musst du denn wirklich Funktionieren?

Es ist hilfreich, dir die Frage zu stellen, ob ich du denn tatsächlich funktionieren musst, oder
ob du dich auch selbst unter Druck setzt. Manchmal ist es der eigene Anspruch perfekt zu sein. Wir haben vielleicht Angst, uns zu zeigen, wie wir uns wirklich fühlen. Wir haben Angst, nicht mehr gemocht zu werden, wenn wir uns mal raus ziehen. Wir haben Angst etwas zu verpassen, wenn wir nicht ständig am Ball bleiben.
Uns in unseren Bedürfnissen wichtig zu nehmen, erfordert also auch die Konfrontation mit den Konsequenzen. Doch langfristig ernten wir das Geschenk uns lebendiger und selbstbestimmter zu fühlen.
Was hilft uns denn aus dem Funktionieren müssen Modus heraus?

Verbundenheit.

Meine Beobachtungen zeigen, dass das Gefühl funktionieren zu müssen weicht,
sobald wir uns verbunden fühlen. Mit Verbundenheit ändert sich unser Grundgefühl sofort.
Unser Körper fühlt sich lebendiger an, unser Atem fließt leicht, unser Denken wird inspiriert,
das Leben scheint leichter.

Verbundenheit kann auf viele Weise entstehen z.B. mit deinem Partner, deinen Freunden, deinem Wohnort und nicht zuletzt mit dir selbst. Im Moment der Verbundenheit werden viele selbst auferlegte Notwendigkeiten unwichtiger.

Was kannst du tun, um dich verbunden zu fühlen?

Die Frage könnte in einem Jahresworkshop beantwortet werden und ist unglaublich vielschichtig.
Beobachte zunächst einfach, was in dir passiert, wenn du dich verbunden fühlst.

Sei es auch nur durch ein nettes Lächeln auf der Straße; etwas verändert sich in dir.
Vielleicht atmest du tief durch, vielleicht durchflutet dich ein warmes Gefühl oder ein

hoffnungsvoller Gedanke. Atme tief und speichere innerlich dieses Gefühl ab.

Bei jeder Erfahrung von Verbundenheit merke dir bewusst die Körperempfindungen.
Immer wieder. So kannst du dich in Momenten der Isolation, an diese Momente der
Verbundenheit zurückerinnern.

Als Kind habe ich mir eine Lieblingsecke eingerichtet, in der ich mich mit meinen Teddy´s sehr wohl fühlte, es war „mein Reich“ und ich kam dort immer in Verbindung mit meiner eigenen
Freude. Heute lege ich ein gutes Musikstück ein, oder singe, um mich in eine gute Schwingung zu bringen.

Wenn mich etwas innerlich sehr bewegt, versuche ich mich mitzuteilen. Nicht immer hat man das Glück Menschen in seiner Umgebung zu haben, die ein offenes Ohr schenken können. Doch gibt es sie, dann scheue dich nicht dich mitzuteilen. Etwas zu teilen schafft Erleichterung und das Gefühl der Verbundenheit.

Verbundenheit ist der Funktionsmoduskiller schlechthin, ebenso wie Kreativität.

Kreativität.

Kreativität öffnet deinen eigenen Lebensfluss und verbindet dich mit deiner
schöpferischen Kraft. Kreativität kann sich in allem ausdrücken: wie du dein Essen zubereitest, wie du dich kleidest, oder eben als ein Tanz am Morgen. Seit etwa 3 Monaten beginne ich den Tag mit etwas Kreativem, etwas das mir Spaß macht. Bisher hatte ich immer brav alle Notwendigkeiten meiner Arbeit zuerst erledigt, und bin dann zu erschöpft gewesen, kreativ zu sein. Seit ich es umgekehrt habe, merke ich wie ich aus der Kreativität Energie gewinne und mir dann auch die Notwendigkeiten leichter fallen.

Atmen und Spüren

Das Atmen ist eine Möglichkeit um dich mit deinen Gefühlen in Kontakt zu bringen.
Wenn wir überfordert sind, brauchen wir Raum, um wahrnehmen zu können, was sich dahinter verbirgt: vielleicht sind wir ja eigentlich wütend oder traurig.
Mit deinen Gefühlen in Kontakt zu kommen hilft dir, mit dir in Verbindung zu kommen.
Es ist auf Dauer tragbarer, als dein Fühlen zurückzudrängen, in die Anspannung zu gehen und zu funktionieren. Funktionieren müssen erschöpft auf Dauer, den Gefühlen Raum zu geben setzt Energie frei. Wir können uns von Moment für Moment immer wieder neu entscheiden.